FOLGENDE TEXTE UND BILDER SIND VON RUTH AFFOLTER

Vergängliche Blütenpracht

Nun blüht unser Lein seit wenigen Tagen. Wie schön die zarten, blauen Blümchen anzusehen sind! Doch wer am Nachmittag an unserem Beet vorbei spaziert wird enttäuscht werden – die Blütezeit beträgt nur wenige Stunden. Will man also etwas von der blauen Schönheit sehen, sollte man sich am Vormittag auf den Weg machen. Die «bienenlose» Selbstbestäubung der Einzelblüte beginnt am frühen Morgen, am Vormittag entfaltet sich die kurze Pracht und um die Mittagszeit sind die blauen Blütenblätter schon wieder verschwunden. Glücklicherweise bilden sich an einer Pflanze mehrere Blüten, so dass sich dieses Schauspiel über zwei bis drei Wochen wiederholen kann.

Stickeln und Schnüren

Unsere Leinpflänzchen sind nun etwa 20 cm hoch. Zeit, ein stützendes Netz anzulegen, das die empfindlichen Stängel vor Bruch schützt. Deshalb werden alle 50 cm Holzstickel eingeschlagen, um die herum ein Schnurkreuz angelegt wird. Nun finden die Pflänzchen Halt, wenn sie in den nächsten Tagen heranwachsen. Für eine Verarbeitung zu Garn müssen die Pflanzenfasern nämlich möglichst lang sein. Ein Knicken der Stängel würde sie unbrauchbar machen.

Eine Leinenhose mit vielen Vorteilen

Die Pflänzchen gucken nun schon einige Zentimeter aus dem Boden. Das Unkraut lässt sich heute problemlos aus der feuchten Erde entfernen. Die angebauten drei Quadratmeter Flachs würden dereinst ausreichen für eine Leinenhose. Leinenstoff hat viele Vorteile. Das Gewebe wirkt kühlend, fusselt nicht, ist atmungsaktiv, schmutzabweisend und soll keimtötende Eigenschaften haben. Das ist doch gerade in Zeiten wie diesen eine gute Nachricht!

Die Pflänzchen wachsen

Das vermehrte Giessen und die Regenschauer des Wochenendes haben unsere Pflänzchen zum Wachsen angeregt. Wie schön, dass es nun aus allen Reihen spriesst! Doch auch das Unkraut will wachsen – was heisst: Bald ist Jäten angesagt.

Zaghaftes Spriessen

Unser Flachs, resp. Lein hat es nicht eilig. Doch nach rund 190 Stunden spriessen endlich erste Keimblätter!  Ob ihm der steinige Boden nicht so zusagt? Wir hoffen, die restlichen Pflänzchen mit dem botanischen Namen Linum usitatissimum, was so viel heisst wie «der nützlichste (Lein)», werden sich  bald tapfer durchkämpfen.

Flachsanbau Aussaat

Am 14. April startet nun unser Versuch, im Garten Flachs anzupflanzen. Die Wetterbedingungen sind ideal. Das Saatgut heisst «Felice», was optimistisch stimmt. Die Aussaat erfolgt in 4er-Reihen, dazwischen wird ein Durchgang von ca. 30 cm angelegt. Diese Struktur hilft bei der Pflege und dem späteren «Stickeln und Schnüren».  Die Leinsamen werden in die Rillen gesät und nur so weit mit Erde bedeckt «dass noch die Kirchenglocken zu hören sind». Schon nach rund 100 Stunden sollten die ersten Keimlinge zu sehen sein!

Liebe Ruth, vielen Dank für die schöne und spannende Zusammenarbeit. Diese Partnerschaft ist für mich persönlich sehr bereichernd.
Michèle Woodtli
Präsidentin ziehLein